
Impuls

Impuls
Ein Konflikt im Team beginnt selten mit dem großen Knall. Oft sind es kleine Verschiebungen: Informationen werden zurückgehalten, Rückfragen klingen schärfer, Absprachen funktionieren nur noch auf dem Papier. Wenn Führungskräfte erst reagieren, sobald sich die Beteiligten offen gegenüberstehen, ist die Lösung meist aufwendiger.
Angelika Steiger-Cöslin · 21. Oktober 2026 · 2 Minuten Lesezeit
Bei Konflikten hört eine Führungskraft häufig zuerst eine klare Erklärung: Die andere Person sei schwierig, unzuverlässig oder blockiere alles. Ich würde mit solchen Urteilen vorsichtig sein – sie ersetzen keine vollständige Klärung. Das kann der eigenen Wahrnehmung entsprechen. Es ist aber noch keine vollständige Klärung.
Fragen Sie nach konkreten Situationen. Was wurde gesagt oder getan? Was war vereinbart? Welche Auswirkung hatte das? Und was braucht jede Seite, damit die Zusammenarbeit wieder funktioniert? So verschiebt sich das Gespräch von der Bewertung der Person zu dem, was sich tatsächlich ändern muss.
Manchmal sollten Sie zunächst einzeln mit den Beteiligten sprechen. Das ist hilfreich, wenn viel Frust im Raum steht oder jemand sich im gemeinsamen Gespräch nicht äußern würde. Wenn die wichtigsten Punkte geklärt sind, kann ein moderiertes Gespräch die nächste gute Stufe sein.
Dabei geht es nicht darum, die Beteiligten zu zwingen, einander sympathisch zu finden. Es reicht, wenn sie wieder arbeitsfähig miteinander umgehen können. Dafür braucht es klare Erwartungen und Vereinbarungen, die sich im Alltag überprüfen lassen.
Lassen Sie zunächst beide Seiten ihre Sicht schildern. Achten Sie darauf, dass sie bei konkreten Beispielen bleiben und einander nicht unterbrechen. Fassen Sie zusammen, worin sich die Perspektiven unterscheiden und wo es gemeinsame Interessen gibt.
Fragen Sie dann nach dem nächsten Schritt: Was wird künftig anders gemacht? Wer informiert wen, bis wann? Welche Zuständigkeit muss geklärt werden? Wann schauen Sie gemeinsam, ob es besser läuft? Eine gute Vereinbarung ist konkret genug, dass alle wissen, woran sie sich halten sollen.
Als Führungskraft stehen Sie nicht immer außerhalb des Konflikts. Unklare Prioritäten, widersprüchliche Aufträge oder offene Rollenfragen können Spannungen verstärken. Es kann unbequem sein, den eigenen Anteil zu prüfen. Es ist oft der schnellste Weg, wieder Einfluss auf die Situation zu gewinnen.
Die HUMAN PROFILING METHOD kann helfen, unterschiedliche Reaktionen und Kommunikationsmuster bewusster wahrzunehmen. Sie ersetzt weder Faktenklärung noch das Gespräch. Sie erinnert daran, Verhalten im Kontext zu betrachten und nicht aus einem einzelnen Moment auf die ganze Person zu schließen.
Wenn ein Konflikt eskaliert ist, Gespräche wiederholt scheitern oder Mitarbeitende nicht frei sprechen können, kann eine neutrale Moderation sinnvoll sein. Im Executive Sparring lässt sich die eigene Rolle klären und der nächste Schritt vorbereiten.
Wann sollte eine Führungskraft eingreifen?
Sobald die Zusammenarbeit oder Arbeitsergebnisse spürbar leiden. Abwarten ist keine neutrale Entscheidung: Es lässt die Beteiligten mit der Dynamik allein und kann sie weiter verfestigen.
Das Gespräch über den Konflikt kann der erste Schritt sein. In einem Kennenlerngespräch ordnen wir die Dynamik ein und klären, welcher Rahmen für die weitere Arbeit passt.

Über die Autorin
Angelika Steiger-Cöslin
Angelika Steiger-Cöslin war rund 25 Jahre im Top-Management tätig, unter anderem im European Executive Committee eines Fortune-500-Unternehmens. Seit zwölf Jahren begleitet sie Geschäftsführer und Menschen in Verantwortung als vertrauliche Sparringspartnerin.
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